In Finnland gibt es rund drei Millionen Saunen. Bei einer Bevölkerung von 5,6 Millionen Menschen entspricht das mehr als einer Sauna pro zwei Finnen – in Wohnungen, Ferienhäusern, Bürogebäuden und sogar im Parlament. Kinder werden schon als Babys daran herangeführt; wichtige Gespräche finden auf den Saunabänken statt; und im Jahr 2020 hat die UNESCO die finnische Saunatradition in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Wenn die Welt also fragt, was die Sauna eigentlich für die Gesundheit bewirkt, findet man in Finnland sowohl die längste Tradition als auch einen Großteil der Forschung zu diesem Thema. Dieser Leitfaden bietet Ihnen einen ehrlichen Überblick über diese Forschungsergebnisse, eine Erklärung dafür, warum sich dieses Ritual so einzigartig anfühlt, und – was ebenso nützlich ist – eine Anleitung, wie man richtig sauniert, so wie es hier tatsächlich praktiziert wird.
Was macht eine Sauna zu einer finnischen Sauna?
Eine traditionelle finnische Sauna ist ein mit Holz ausgekleideter Raum, der durch einen mit Steinen beladenen Ofen (Kiuas) auf etwa 70–100 °C erhitzt wird. Die Luft ist trocken – bis man Wasser auf die heißen Steine gießt und der „Löyly“ aufsteigt: eine sanfte, umhüllende Dampfwolke, die das Herzstück des gesamten Erlebnisses bildet. Die finnische Sauna wird in Etappen genossen: Aufheizen, bis es sich richtig anfühlt, Abkühlen im Freien oder unter der Dusche, Zurückkehren, Wiederholen. In einer Hütte am See im Sommer dient der See zum Abkühlen; im Winter, für die ganz Hartgesottenen, ein Loch im Eis.
Zwei Dinge unterscheiden sie von der Spa-Menü-Variante, wie man sie anderswo findet: das Löyly und die Gelassenheit. Niemand legt eine Zeit fest für eine finnische Sauna. Sie endet, wenn sie endet.
Was die Forschung nahelegt – ehrlich gesagt
Die finnische Saunakultur schuf ein natürliches Labor, und die bekanntesten Erkenntnisse stammen aus langjährigen finnischen Bevölkerungsstudien – am bekanntesten ist die aus Kuopio in Ostfinnland, wo Tausende von Männern mittleren Alters seit Jahrzehnten beobachtet werden. Diese Studien haben wiederholt gezeigt, dass häufiges Saunieren mit positiven langfristigen Auswirkungen, insbesondere auf das Herz-Kreislauf-System, verbunden ist, wobei häufiger Saunagang (vier- bis siebenmal wöchentlich) einen stärkeren Zusammenhang aufweist als gelegentlicher Saunagang. Forscher haben zudem festgestellt, dass die kurzfristigen Auswirkungen der Sauna auf Herzfrequenz und Blutgefäße denen moderater körperlicher Betätigung ähneln.
Nun zum ehrlichen Teil. Es handelt sich hierbei um Beobachtungsstudien: Sie zeigen einen Zusammenhang, aber keinen Kausalzusammenhang. Menschen, die am häufigsten in die Sauna gehen, unterscheiden sich möglicherweise in anderer Hinsicht, und Forscher können jahrzehntelange Badegewohnheiten nicht randomisieren. Die faire Schlussfolgerung – und im Großen und Ganzen auch die, zu der die Forscher selbst gelangen – lautet, dass regelmäßiges Saunieren für die meisten gesunden Menschen eine angenehme, risikoarme Gewohnheit ist, die durchweg mit positiven Ergebnissen verbunden ist und vermutlich durch Mechanismen, die leichter körperlicher Betätigung und tiefer Entspannung ähneln, einen positiven Effekt hat. Keine Behandlung; kein Heilmittel; eine sehr gute Gewohnheit.
Warum die Sauna dieses Gefühl vermittelt
Lässt man die epidemiologischen Aspekte einmal beiseite, braucht es keine Studien, um die unmittelbaren Auswirkungen zu erkennen. Hitze entspannt die Muskeln und verlangsamt die körperlichen Abläufe; der Löyly-Rhythmus – Hitzeaufbau, Dampfströme, Rückzug in die kühle Luft – verleiht dem Saunagang ein natürliches Tempo, das die Gedanken bemerkenswert schnell zur Ruhe kommen lässt. Auf den Bänken gibt es kein Handy, nichts, was man optimieren müsste, und keinen Ort, an dem man sein müsste – das macht die Sauna zu einem der letzten Orte im modernen Leben, an denen man sich zuverlässig ungestört entspannen kann.
Die Finnen beschreiben die Sauna so gut wie nie unter dem Gesichtspunkt des Wohlbefindens. Man geht dorthin, um zur Ruhe zu kommen – „saunarauha“, die Ruhe der Sauna. Die physiologischen und psychologischen Aspekte gehen Hand in Hand, was vielleicht die eigentliche Erklärung für diese Bevölkerungsstudien ist.
So geht's: Sauna nach finnischer Art
Vorher: Einfach vorbereiten
Zuerst duschen – immer. Verzichten Sie auf schwere Mahlzeiten und Alkohol; ein Saunagang führt zu Flüssigkeitsverlust, trinken Sie daher vorher Wasser. Lassen Sie Schmuck und Uhren draußen; Metall erwärmt sich schnell.
In der Hitze: Löyly, Geduld und der Schneebesen
Setzen Sie sich dorthin, wo Ihnen die Hitze am besten gefällt – auf den höheren Bänken ist es heißer. Gießen Sie in kleinen Mengen Wasser auf die Steine und lassen Sie den Löyly jeweils einwirken, bevor Sie den nächsten machen. Bleiben Sie 5–15 Minuten oder einfach so lange, wie es sich gut anfühlt; Wohlgefühl, nicht Ausdauer, ist das Maß. Machen Sie es im Sommer wie die Finnen und verwenden Sie eine „Vihta“ (in Ostfinnland „Vasta“) – einen Besen aus frischen Birkenzweigen, den Sie in Wasser tauchen und sanft über die Haut streichen. Das verleiht dem Löyly einen Birken-Duft und sorgt für ein wunderbar belebendes Hautgefühl.

Die Abkühlphase: die Hälfte, die jeder überspringt
Raus in die frische Luft. Kühle Luft, eine Dusche, ein See oder – für Eingeweihte – Winterbaden. Der Kontrast ist kein optionales Extra; gerade der Wechsel zwischen Hitze und Kühle verleiht der Sauna ihr charakteristisches Nachglühen, und die meisten Neulinge, die die Sauna „nicht verstehen“, haben diesen Schritt übersprungen. Zwei oder drei Runden „heiß-kalt“ sind eine typische Sauna-Sitzung.

Danach: der Ausklang
Eile nicht gleich zurück in die Welt. Trinke ausreichend, iss eine kleine Mahlzeit – die traditionelle Saunawurst hat ihre Anhänger – und gönne dir diese schläfrige, entspannte halbe Stunde, die für die Finnen den eigentlichen Sinn der Sache ausmacht. Viele werden dir bestätigen, dass man nach einem Saunaabend den besten Schlaf der Woche hat.
Sauna-Etikette – kurz gefasst
Für Reisende und Neulinge: In der Sauna geht es gemächlich und ungezwungen zu. Nacktheit ist in der finnischen Saunakultur ganz normal und hat nichts mit Sexualität zu tun (in öffentlichen Saunen sind die Geschlechter getrennt oder es wird ausdrücklich auf die Badekleidung hingewiesen – bitte halten Sie sich an die Hausordnung). Gespräche sind willkommen, Stille ebenso. Das Aufgusswasser auf den Stein zu gießen, ist in der Regel demjenigen vorbehalten, der am nächsten am Ofen sitzt – fragen Sie lieber nach, bevor Sie großzügig Wasser auf den Stein gießen. Und niemand ist jemals von Wettkämpfen in Sachen Hitzetoleranz beeindruckt.
Eine Kultur, keine Behandlung
Man sollte es ganz klar sagen: Die Finnen haben nicht drei Millionen Saunen gebaut, um Herz-Kreislauf-Statistiken zu verbessern. Die Sauna hat sich bewährt, weil sie etwas Uraltes erfüllt – einst die Reinheit, heute noch immer die Gemeinschaft und die Ruhe. Die Forschung ist ein willkommener Gast in der Sauna, nicht der Grund dafür. Betrachtet man es so, ergeben sich die „Vorteile“ größtenteils von selbst. Dasselbe gilt für Finnlands andere tägliche Rituale – die Beeren zum Frühstück und die Xylitol-Pastille nach dem Mittagessen: eine nationale Begabung für kleine, wiederkehrende Gesten der Selbstfürsorge.
Häufig gestellte Fragen zur finnischen Sauna
Wie oft gehen die Finnen in die Sauna?
Einmal pro Woche ist ein gängiges Minimum; viele gehen mehrmals pro Woche. In den langjährigen finnischen Studien wurden die Badenden nach der Häufigkeit ihrer Besuche eingeteilt, wobei vier bis sieben Besuche pro Woche die häufigste Kategorie darstellten.
Wie heiß ist eine finnische Sauna?
In der Regel 70–100 °C, abhängig von der Höhe der Sitzbank und der Menge an Löyly (Dampf, der durch das Wasser auf den Steinen entsteht), die hineingeworfen wird.
Wie lange sollte man in der Sauna bleiben?
Solange es sich angenehm anfühlt – in der Regel 5 bis 15 Minuten pro Runde, verteilt auf zwei oder drei Runden mit Erholphasen dazwischen. Das Wohlgefühl, nicht die Ausdauer, ist die finnische Regel.
Was ist Löyly?
Der Dampf, der aufsteigt, wenn Wasser auf die heißen Steine gegossen wird, und damit auch der gesamte Charakter der Hitze in einer Sauna. Gutes Löyly ist sanft, umhüllend und das Herzstück des Saunaerlebnisses.
Ist die Sauna gut für die Gesundheit?
Große finnische Beobachtungsstudien bringen häufige Saunagänge mit positiven langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen in Verbindung, und die kurzfristigen Effekte ähneln denen leichter körperlicher Betätigung. Da es sich um Beobachtungsstudien handelt, zeigen sie eher einen Zusammenhang als einen Beweis, doch für die meisten gesunden Menschen ist die Sauna eine risikoarme und beliebte Gewohnheit.
Wer sollte beim Saunagang Vorsicht walten lassen?
Schwangere, Personen mit Herz- oder Blutdruckproblemen sowie Personen, die sich unwohl fühlen, sollten sich zunächst an medizinisches Fachpersonal wenden. Gehen Sie niemals unter Alkoholeinfluss in die Sauna und verlassen Sie diese sofort, wenn Ihnen schwindelig wird.
Der leiseste Raum in Finnland
Drei Millionen Saunen sind drei Millionen Antworten auf dieselbe Frage: Wohin geht ein Mensch, um sich aufzuwärmen, sich zu reinigen und zur Ruhe zu kommen? Die Forschung liefert dazu eine beruhigende Anmerkung, doch diese Tradition bedarf keiner Rechtfertigung – sie verteidigt sich schon seit tausend Jahren ganz von selbst, Löyly für Löyly.
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Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine medizinische Beratung dar. Wenn Sie unter einer Erkrankung leiden, sollten Sie vor dem regelmäßigen Saunagang einen Facharzt konsultieren.

